12 - Der Winter gehört der Nähmaschine

Nähmaschine an einer Zeltbahn

Draußen ist es dunkel, die Zelte sind trocken eingelagert, und irgendwo in Norddeutschland flucht gerade jemand über eine Nähmaschine. Die Saison hat begonnen.

Von außen sieht man uns im Sommer: Heerlager, Fahnen, Massenschlacht. Was keiner sieht, ist der Winter. Wenn jemand fragt, wann wir denn diese ganzen Sachen erledigen, ist die Antwort seit Jahren dieselbe: Machen wir im Winter.

Wer bei Veranstaltungen mitmachen will, braucht Gewandung. Da beginnt das Abenteuer. Die einen kaufen, die anderen nähen selbst. Und alle haben im Herbst festgestellt, dass die Hose vom letzten Jahr beim Sturz in der Massenschlacht nicht besser geworden ist.

Das Schöne am Nähen ist: Niemand muss es können. Es gibt bei uns immer jemanden, der Dir den Saum zeigt, den Stoff kennt oder einfach sagt: „Gib mal her.“ Mancher Kämpfer, der jeden Dienstag sicher pariert, kapituliert vor einem Knopfloch. Das erdet.

Und zwischen Stoff und Faden passiert das, was ich am Winter so mag. Man sitzt zusammen. Man hat Zeit. Keine Show, kein Aufbau, kein Funkgerät. Man redet darüber, wer in diesem Jahr den ersten Einzelkampf wagt, was aus dem Rücken geworden ist und wie es den Kindern geht.

Auch bei mir stand eine Nähmaschine auf dem Tisch. Das Foto zu dieser Kolumne ist nicht einmal Gewandung, das ist eine Zeltbahn. Eine Kämpferhose wäre vermutlich einfacher gewesen.

Im Februar ist dann der Punkt erreicht, den jeder von uns kennt. Unter uns gibt es ja den alten Tipp gegen die Sehnsucht: ein Hemd vom letzten Markt noch nicht gleich waschen und immer mal wieder daran schnüffeln.

Wenn Du also im Winter jemanden siehst, der mit geschlossenen Augen an einem Hemd riecht: Sprich ihn nicht an. Er ist gerade im "Mittelalter".

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