
Am Hamburger Hafen gab man uns venezianische Masken. Ich kannte Junggesellenabschiede bis dahin nur so: Das Paar wird vorgeführt. Häschenkostüme, Gelächter, das volle Programm. Das hat jeder schon gesehen.
Wir waren „nur“ 24 Freunde. Wir mussten die Zahl begrenzen, sonst wären es vielleicht über 100 geworden. Nachtwächter-Tour am Hafen, dann die Reeperbahn, als Hamburger natürlich Pflicht. Und dann kam dieser Moment.
Meine Verlobte und ich sollten die Masken aufsetzen. Wir rechneten mit dem Üblichen.
Dann setzten sich alle anderen auch Masken auf.
Alle. Die gesamte Gruppe stellte sich an unsere Seite. Gemeinsam gingen wir über die Reeperbahn, keiner war lächerlicher als der andere. Wir gingen als Gleiche. Diese Geste rührt mich bis heute zu Tränen. Da sind so viele Menschen, die mit uns an unserer Seite gehen wollen, auch wenn es unbequem oder lächerlich ist.
Am 8. Juni 2013 haben wir dann geheiratet. Über 70 Kämpfer und ihre Familien kamen nach Cramme auf den mittelalterlichen Hof. Selbst an die Musik auf der Fahrt zum Standesamt hatte jemand gedacht. Es wurde gelacht, gegessen, getanzt, gesungen und gespielt.
Meine Frau und ich mussten an diesem Tag gar nichts tun. Wir mussten uns nur fallen lassen, und wir wurden von so vielen Freunden getragen und begleitet. Das sagt sich so leicht. Aber ich bin seit vielen Jahren der Mann, der bei uns alles organisiert. Ich weiß, wie selten man sich einfach fallen lassen kann.
Ich habe in dieser Kolumne schon einmal über eine Hochzeit geschrieben. Die lief nicht so gut. Daraus habe ich gelernt: Eine Hochzeit braucht keine perfekte Zeremonie. Sie braucht Menschen, die wirklich da sind.
Es war die beste Party und definitiv die letzte eigene Heirat meines Lebens.
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