26 - So schön, dass man weinen kann

Kämpfer knien nach dem Kampf auf dem MPS in Hohenwestedt 2008

Ich saß im Auto, wollte zur Arbeit fahren, dachte an meine Firma und fing an zu weinen. Ich schluchzte wie noch nie in meinem Leben.

Es war der Montag nach meinem ersten MPS. Zwei Tage lang waren wir von Show zu Show gerannt. Sieben Shows pro Tag, teilweise gleichzeitig. Kein eigenes Zelt, keine Sitzbank, kaum Verpflegung. Und ich war so glücklich, wie man nur sein kann.

Ich fuhr also zum Arzt und versuchte ihm unter Tränen zu erklären, was passiert war. Dass ich glücklich sei. Er schrieb mich krank und verstand gar nichts.

Geholfen haben mir dann nur die, die dabei gewesen waren. Das kennt man sonst nur aus schlimmen Erlebnissen: Keiner versteht Dich außer den Leuten, die es mit Dir erlebt haben. Bei mir war es genauso. Nur eben umgekehrt.

Seitdem habe ich viele Menschen gesehen, die zum Abschluss einer schönen Veranstaltung heftig geweint haben. Große Männer, die eben noch Dörfer niedergebrannt haben, stehen beim Abbau da und schniefen. Auf dem Wacken-Festival 2022 waren wir 96 Personen. Schwertkämpfer, Bruchenballer, Küchencrew und Orgas. Bei drei von uns wurde es am Ende so überwältigend, dass sie weinen mussten.

Und zuhause geht es dann weiter. Einer unserer Kämpfer schrieb mir nach Öjendorf, was ihn am Tag danach beschäftigte: Warum ist das Licht so grell? Wo ist der Feuergeruch? Und warum fühlt er sich in normaler Kleidung falsch angezogen?

Es gibt also Heimweh nach Menschen, die Du vor zwei Tagen zum letzten Mal gesehen hast.

Falls Du das gerade fühlst: Du bist nicht verrückt. Du hast nur etwas erlebt, das sich schwer erklären lässt. Ruf jemanden von uns an. Der versteht das.

Eine Frage blieb bei diesem Kämpfer offen, und ich habe bis heute keine Antwort darauf: Seit wann hat das Zelt ’ne Tür?

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